Foto: Wolfgang Kleber

Bachs Musik begeistert Jung und Alt

Das Weihnachtsoratorium in der Auferstehungskirche Essen am 05. und 06. Dezember 2015
War zu Zeiten Bachs eine Aufführung der einzelnen Teile in sechs Gottesdiensten des Weihnachtskreises vorgesehen (erstmals zwischen dem 1. Weihnachtsfeiertag 1734 und dem Epiphaniasfest 1735) konnten wir in der Auferstehungskirche unter der Leitung von Stefanie Westerteicher das gesamte Oratorium (Kantaten 1-6) im Konzertrahmen hören. Die gut gefüllte Kirche hat wieder einmal gezeigt, dass Bachs Musik einfach zeitlos ist durch ihre musikalische Größe und Ausstrahlung und deshalb zum alljährlichen festen Ritual in der (vor-)weihnachtlichen Zeit gehört. Kantorin Stefanie Westerteicher hatte dem Konzert das „Weihnachtsoratorium für Kinder“ am Samstag vorangestellt. Unterstützt von Chor, Orchester und Solisten wurde man von Frau Dr. Ulrike Schwanse in der Person von Anna Magdalena Bach (in historischem Kostüm) in die Zeit der Entstehung und der Aufführungspraxis der damaligen Zeit versetzt und die Weihnachtsgeschichte mit denen von Bach genutzten Orchesterinstrumenten in einer bildreichen Sprache erläutert. So konnten die vielen Familien mit ihren Kindern verständlich die Musik und die Schlüsselszenen der Weihnachtsgeschichte erleben. Und das auch aktiv durch das Mitsingen von „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ sowie das aktive Erleben von Rhythmen einzelner Passagen durch Klatschen und Stampfen(das Rennen und Eilen der Hirten zum Stall). Ein rundum gelungenes Erlebnis für Jung und Alt. Ein weiteres Zeichen erfolgreichen Bemühens um Nachwuchs setzte Frau Westerteicher mit der Beteiligung der Jugendkantorei, die sich problemlos mit der Kantorei verschmolz: eine positive Mischung innerhalb des Chorklangs. Es ist eine große Leistung, wie Frau Westerteicher ihre Begeisterung auf solch einen großen Chor und die Musiker überträgt und mit welcher Hingabe alle ihrem forschen, Energie versprühenden Dirigat folgten. Dieses Engagement aller Beteiligten war am Sonntag bei den Kantaten 1-6 von den Konzertbesuchern zu sehen, zu spüren und zu hören. Eine konstante Spannung bis zum letzten Ton.
Der Chor bot eine überzeugend mitreißende Wiedergabe der großen Jubelchören, mit einer beschwingten Leichtigkeit, tänzerisch federnd, und perfekten Aussprache, ausgeglichen in allen Stimmen. Die Choräle wurden textbezogen von innerer Überzeugungskraft im großen Bogen gesungen. Hier kommt weihnachtliche Freude auf. Einen wichtigen Beitrag leisteten die Mitglieder des Philharmonischen Orchesters, sie waren perfekte Begleiter, einfühlsam bei den Arien, überzeugend in den Solopartien. Harmonisch fügte sich das Gesangsquartett ein:
Der Tenor Manuel König überzeugte mit seiner sympathisch frischen Stimme, schlicht und aussagekräftig als Evangelist, perfekt in den Arien (trotz manch überzogenem Tempo in der Arie „Ich will dir zu Ehren leben“).
Von innerer Überzeugung und Strahlkraft sang die Altistin Charlotte Quadt. Unvergessen die Arie „Schließe, mein Herze“. Der kräftige Sopran der Sängerin Judith Hoffmann sowie der sonore Bass von Harald Martini, beide tragend und ausgeglichen in allen Lagen, harmonisierten sehr schön im Duett „Herr, dein Mitleid“.
Nicht zu vergessen das himmlische Echo des Knaben Niklas Rudik oben von der Kanzel.
Ein großer Abend mit einer großartigen Musik, die zeitlos ist und Jung und Alt begeistert hat.

Hans-Joachim Meyer-Pohrt, 07.12.2015
www.meyer-pohrt.de