Foto: Wolfgang Kleber

LOB DEM DREIEINIGEN GOTT, IHM DANKET UNSER LIED

Ein reife und überzeugende Aufführung der Chöre an der Auferstehungskirche in der Kreuzeskirche unter der Leitung von Stefanie Westerteicher


Der mächtig mit Posaunen beginnende „Lobgesang“ Felix Mendelssohn Bartholdys wurde für den Anlass der 400-Jahr-Feier im Jahr 1840 zum Gedenken der Erfindung des Buchdrucks geschrieben und mit ca. 500 Mitwirkenden in Leipzig uraufgeführt. Es war ein Kompositionsauftrag der Stadt Leipzig an Mendelssohn und die Vorgabe, ein festlich-feierliches Werk für Chor und Orchester zu schreiben brachte den Komponisten auf die Idee, eine neuen musikalischen Gattungsform, eine Sinfoniekantate, zu schreiben, die ihm hervorragend gelang und ihm wiederkehrende Erfolge bescherten.

Eberhard Kerlen gelang es in seiner Einführung Musik und theologische Aussage zu vermitteln und einen Bogen zu spannen zwischen biblischem Hintergrund und der Gegenwart.

In der gut besuchten Kreuzeskirche kam diese Sinfonie nun mit weit weniger Beteiligten aus. Die Sängerinnen und Sänger der Jugendkantorei, des Kammerchores und der Kantorei an der Auferstehungskirche (insgesamt 90 Mitglieder) unter der Leitung von Stefanie Westerteicher waren bestens vorbereitet und sangen sowohl kraftvoll als auch dynamisch differenziert und gut wortverständlich. Gerade die ausgewogene Mischung der Chöre verlieh dem Klang etwas Strahlendes und Schwingendes, eine reiche Palette an Klangfarben. Großer Spannungsbogen, aufrüttelnd klar deklamiert, präzise in den Fugen. Der einheitlich runde Klang der Männerstimmen muss an der dieser Stelle besonders erwähnt werden. Der A-cappella gesungene Choral „Nun danket alle Gott“ war wohltuender Ruhepol.
Die Freude an der Kirchenmusik generationsübergreifend zu vermitteln ist ein besonderer Verdienst von Stefanie Westerteicher. Daraus ergibt sich ein besonderer Zusammenhalt, ein lebendiges „beseeltes“ Musizieren, das zu dieser großartigen Leistung geführt hat.
Die Essener Symphoniker folgten dem Dirigat von Stefanie Westerteicher in tänzerischer Leichtigkeit, in aufbrausender Größe und ausdrucksvoll im Melodischen. Als „Begleiter“ des Chores und der Solisten war das Orchester jedoch oftmals zu dominant. Die hervorragenden Bläser konnten sich einfühlsam in den Gesamtklang integrieren. Zahlreiche Instrumentalsoli hinterließen markante Eindrücke.
Mehrfach lässt Mendelssohn Textstellen zunächst solistisch vortragen und dann vom Chor gleichsam verstärkend wiederholen. Mit klarer und voller, in allen Lagen überzeugender Stimme, sang mit innerer Beteiligung und klarer Aussprache die Sopranistin Judith Hoffmann. Das Duett „Ich harrete des Herrn“ wussten Judith Hoffmann und Stefanie Rodrigues (Mezzo-Sopran) mit lyrischem Ton für sich einzunehmen. Überzeugend, mit stupender Technik, sang der Tenor Corby Welch in allen Partien. „Stricke des Todes hatten uns umfangen“ wurden mit starkem Ausdruck gestaltet. Unvergesslich sein wiederholendes „Hüter, ist die Nacht bald hin?“. Im Duett „Drum sing’ ich mit meinem Liede“ schließlich verbanden sich Sopran- und Tenorstimme in überzeugender Weise.

Der Sinfoniekantate von Felix vorangestellt war der Lobgesang „Meine Seele ist stille“ (1831) von seiner Schwester Fanny Hensel-Mendelssohn. Die Kantate ist ein sehr persönlich gefärbtes Werk und entstand aus einer tiefen Dankbarkeit (1. Jahrestag ihres Sohnes Sebastian). Der Text ist zunächst eine Zusammenstellung aus Bibelworten, die besonders Fannys Gefühle widerspiegeln. Der Choral „O dass ich tausend Zungen hätte“ wird zu einem eigenen Bekenntnis (Sopranarie)der Mutter selbst, ehe der Chor mit der dritten und letzten Strophe in den Lobgesang einstimmt „Ich will von Gottes Güte singen, solange sich die Zunge regt“. Die Kantate ist von Bachs Stil geprägt, mit dem sich Fanny zeit ihres Lebens auseinandergesetzt hat. Das Werk strahlt Ruhe (Introduzione: Andante con moto), Innigkeit und festen Glauben aus. Auch hier von allen Beteiligten ein spannungsvolles Ganzes, klangreich und überzeugend musiziert.
Eine reife Leistung mit ausgezeichneter Detailarbeit, vom Publikum mit lang anhaltendem Applaus belohnt.

Hans-Joachim Meyer-Pohrt, 04.12.2016
www.meyer-pohrt.de