Foto: Wolfgang Kleber

Lasset das Zagen, singt und jubiliert

Musikalische Vesper zur Bachkantatenreihe am 2. Advent mit allen Chören der Auferstehungskirche Essen


„Wie soll ich dich empfangen und wie begegn ich dir“ war der Leitfaden des Kantatengottesdienstes am Sonntag, 9. Dezember, dem 2. Advent, in der vollbesetzten Aufstehungskirche. Die Antwort wurde uns Zuhörern in fesselnder Weise von den Chören der Auferstehungskirche gegeben:
Mit Jauchzen, Jubilieren, mit „Harfen Trompeten und Posaunen“- ein Freudenausbruch gegen alle Zweifel unseres Alltags - wurde das Kommen des Erlösers gefeiert: „Lasset das Zagen, verbannet die Klagen, stimmet voll Jauchzen und Fröhlichkeit ein“, ein Aufruf aus dem Weihnachtsoratorium von Joh. Seb. Bach (Kantate BWV 248/1). So waren auch wir Zuhörer aufgerufen und beteiligt, durch das Mitsingen der Choräle aus dieser Kantate einzustimmen in den Lobpreis (leider ohne den Abdruck des 4-stimmigen Bachsatzes).
Es ist erstaunlich und bewundernswert, wie es der Kirchenmusikerin Stefanie Westerteicher gelingt, die Chöre Kantorei, Kammerchor und Jugendkantorei zu so einem harmonischen Einklang, zu so einer überzeugenden Leistung, zu führen und zu begeistern. Denn die Chöre, ganz besonders die der Kantate „Gloria in excelsis Deo“, von Bach sind für jeden einzelnen der 90 Sänger- und Sängerinnen eine Herausforderung (Koloraturen, Tonumfang), also nicht nur technisch sondern auch im Zusammenspiel. Nach kurzen Anlaufproblemen beim Eingangschor der Kantate „Gloria in excelsis Deo“ von Bach ist dies in allen Tutti - Chören gelungen: Ausgewogenheit in den Stimmen (nur dem Tenor fehlte etwas die Strahlkraft), das Hervorheben der einzelnen Fugenthemen, die anbetende Schlichtheit bei den Chorälen. Die Aussprache kann sicher noch perfektioniert werden.
Die Mitglieder der Essener Philharmoniker waren einfühlsame Begleiter. Besonders sind die Flöten (Arie „Gloria patri et Filio“) und die Trompeten, in ihrer Perfektion und Strahlkraft, hervorzuheben. Judith Hoffmann (Sopran) gestaltete mit wunderbar warmen und ausgeglichenen Stimme die Alt-Arie „Bereite dich Zion“. Welches Erlebnis im Hinblick auf die Wort-Ton-Interpretation der Arie „Großer Herr, o starker König“, gesungen von Harald Martini, Bass: „Großer Gott“, sonor, stark, Raum füllend, im Gegensatz zu „Liebster Jesu“, leise, anbetend.
Dagegen enttäuschte der Tenor Jörg Nitschke besonders als Erzähler im Weihnachtsoratorium. Er hatte Probleme mit den hohen Tönen und atemtechnisch einen großen Bogen zu spannen. Langer Applaus für alle Mitwirkenden.
Das ist lebendige Gemeinde: Kirchenmusik, die in den Gemeindealltag integriert ist, professionell, liturgisch einbezogen, offen für alle Generationen.

Hans-Joachim Meyer-Pohrt, 12.12.2018