Foto: Wolfgang Kleber

Lebendige Kirchenmusik mit „Leib und Seele“


Weihnachtliche Chormusik in der Auferstehungskirche

Eine Gemeinde kann sich glücklich schätzen, wenn sie eine Kirchenmusikerin hat, der es gelingt, so viele Menschen jeglichen Alters für die Kirchenmusik zu begeistern. Mit großem persönlichem Einsatz gelingt es Frau Stefanie Westerteicher, kleinen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen anspruchsvolle Musik zu vermitteln, sie in das Gemeindeleben einzubinden, sie zu schulen und hinzuführen auf einen harmonischen Gesamtklang. So lag Spannung vom ersten bis zum letzten Ton im Raum der gut gefüllten Auferstehungskirche beim Advents- und Weihnachtskonzert am Samstag vor dem ersten Advent.
Mit Konzentration und innerer Hingabe sangen die Kinderchöre I und II die polyphon anspruchsvollen Weihnachtslieder aus aller Welt, leicht und einfühlsam vom Orchester begleitet. Zu sehen und zu hören war, dass auch hier stimmbildnerisch gearbeitet wird, wenngleich die Stücke zum Teil extreme Höhen verlangten. Einen Kontrast zu diesen Liedern bildeten die Stücke aus dem Film „Die Kinder des Monsieur Mathieu“ mit dem Kinderchor II. Die Verbindung zwischen Text und Musik wurde auch hier lebend interpretiert. Unterstützt wurde der Kinderchor von der Jugendkantorei, die an diesem Abend zum ersten Mal in ihrer neuen Aufstellung im „Puer natus in Bethlehem“ von Rheinberger (noch etwas schüchtern) zu hören war.
Im Mittelpunkt des Konzertes stand das „Magnificat“ (1990), der Lobgesang der Maria, von John Rutter, ein Werk, das dort, wo es aufgeführt wird, mit Begeisterung gespielt und gehört wird. So auch beim Konzert in der Auferstehungskirche. Die Kantorei und der Kammerchor und die Mitglieder der Essener Philharmoniker brachten eine umwerfend erfrischende, von Leichtigkeit mitreißende, Wiedergabe dieses anspruchvollen Werkes zur Aufführung. So konnte diese Musik begeistern und ergreifen zugleich. Thematisch beinhaltet dieses Werk Elemente vom Gregorianischen Choral über die Fuge, lateinamerikanische Rhythmen mit Anklängen an die Filmmusik, Weihnachtsliedern, den Rumba bis hin zum Rag Time. Hinzu kommt vielfältige Rhythmik mit ständig wechselnden Takteinheiten. Dank des professionellen Dirigats gelang es Stefanie Westerteicher den Chor zu einer Glanzleistung zu führen: exakte Einsätze, Ausgewogenheit und Leichtigkeit in allen Stimmen, überzeugend im Piano, glanzvoll im Forte. Eine besondere Herausforderung für die „klassischen“ Sänger (für den Chor musikalisches Neuland) ist die Jazz- Fuge des „Fecit potentiam“. Die Sopranistin Judith Hoffmann sang mit großer Stimme einfühlsam die lyrischen Passagen. Die Mitglieder der Essener Philharmoniker waren hier aber auch bei den Begleitsätzen der Kinderchöre einfühlsame Partner. So ergab sich ein Gesamtbild des Gebens und Nehmens das Freude überkommen ließ auf die Zuhörer. Eine gelungene Einstimmung auf die Adventszeit.
Der lang anhaltende Applaus galt allen Mitwirkenden und gleichzeitig war er Dank und Anerkennung für die engagierte Arbeit der Kirchenmusikerin Stefanie Westerteicher.


Hans-Joachim Meyer-Pohrt, 04.12. 2012