Foto: Wolfgang Kleber

Mit den Ohren sehen - mit den Augen hören

Can you hear me too?


Glanzvoller Abschluss nach einer Konzertreise (Bayern, Südtirol) am 5. Mai 2019 in der Auferstehungskirche Essen

Ja, es war ein Ereignis sowohl für das Ohr als auch für die Augen. Mit welcher Frische, welchem Engagement jeder der vielen Sängerinnen und Sänger die Chorwerke aus verschiedenen Jahrhunderten wiedergaben, hat die Zuhörer der gut besetzten Auferstehungskirche mitgerissen.
Wie sich eine Gemeinschaft von Jung und Alt nach einer Konzertreise festigen, und damit den Gesamtklang positiv beeinflussen kann, hat sich beim Konzert unter der Leitung von Stefanie Westerteicher gezeigt.
Im ersten Teil des anspruchvollen Programms mit Motetten für zwei 4stimmige Chöre von Vulpius und Gallus war das gleichwertige Verschmelzen der Chöre besonders zu erwähnen: perfekt im Wechsel, mit sauberer Intonation, Ausgewogenheit in den einzelnen Stimmen und Strahlkraft.
Durch die ideale Kombination der Chöre (Kantorei, Kammerchor, Jugendkantorei) war es möglich, zwischen solistischer - und Tuttibesetzung zu wechseln, wie z. B. bei den Werken von H. Schütz. Auch hier bestach die farbige Interpretation, die Symbiose zwischen Wort und Ton. Die nötige Differenzierung zwischen den verschiedenen Lautstärken, das Anschwellen und Zurückgehen mit entsprechender Spannkraft gelang den Chören ausdrucksstark bei den Werken von Mendelsohn-Bartholdy, Grieg und Verdi.
Die Darbietungen der Jugendkantorei mit „Vois sur ton chemin“ aus dem Film „Les chorists“ und die Wiedergabe von Bob Chilcott „Can you hear me?“ haben gezeigt, wie sich in so kurzer Zeit des Bestehens ein so homogener und klarer Klang entwickeln kann. Mit „Look at the world“ von Rutter mit seiner immer wiederkehrenden Einstimmigkeit und den eingehenden Melodien hatte den Chor und uns ganz besonders verbunden.

Meditativ fügten sich die Werke für Horn (Maria Schönnenbeck) und Orgel (Hans-Günther Bothe) von Mendelssohn und B. E. Müller in das Programm ein.

Wir Zuhörer waren fasziniert über den professionellen musikalischen Beitrag, der zeigen konnte, dass Kirchenmusik, egal aus welcher Zeit stammend, unsere Ohren und unsere Seele berühren kann. Sie ist der Motor einer lebendigen Gemeindearbeit:
hier entsteht eine Gemeinschaft zwischen denen, die singen, spielen und zuhören.
Stürmischer Applaus für die Chöre, die Instrumentalsolisten und für Stefanie Westerteicher.


Hans-Joachim Meyer-Pohrt 2019