Foto: Wolfgang Kleber

Mitgenommen auf dem Leidensweg Jesu

Bachs Johannespassion mit dem Kammerchor an der Auferstehungskirche
Die Aufführung der „Johannespassion“ gehört zum festen Bestand der Musik in der Passionszeit. Diese Aufführung jedoch wird nachhaltig Spuren im musikalischen Geschehen der Stadt Essen und darüberhinaus hinterlassen durch die überwältigende Kraft ihrer Interpretation.

Es ist eine Musik, die den Zuhörer sehr direkt anspricht und ihn in ihrer unmittelbaren Dramatik auf dem Leidensweg Jesu mitnimmt. Dies gelang Stefanie Westerteicher gemeinsam mit dem Kammerchor, dem Barockensemble camarata coelestis und den Gesangssolisten auf fesselnde Weise ausdrucksstark: ein Miteinander voller Spannung mit großem Bogen, beginnend mit dem Klageduett von Flöten und Oboen, das quer laufend zur Grundbewegung „Herr, unser Herrscher“ liegt, bis hin zum letzten Ton des befreienden Chorals „Ach Herr, lass dein lieb’ Engelein“.

Der Kammerchor als einer der Hauptakteure des Passionsdramas wurde dieser Aufgabe als ausgezeichnet disponiertes Ensemble gerecht: die fesselnden Turbachöre zeugten von klanglicher Bandbreite, ausgeglichen in allen Stimmen, packender Leichtigkeit und Differenzierung plastisch deklamierend. Westerteicher ließ die Choräle nicht ausschließlich als andachtsvolle, sondern als Anteil nehmende, kommentierende Momentaufnahmen erklingen.
Der Tenor Manuel König überzeugte klar und ausdrucksstark als passionierter Erzähler sowie technisch versiert in den Arien. Hagen-Goar Bornmann als Jesus vermittelte eindrucksvoll und ergreifend, was Jesus bevorsteht. (….....)
Christoph Scheeben, Bariton, der spontan für Norman Patzke eingesprungen war, füllte mit sonorer Stimme wie von selbst den Raum der Auferstehungskirche, passend zur Person und Stellung des Pilatus, aber ebenso aussagekräftig in den Arien. Elvira Bill, Alt, konnte mit ihren Arien durch die wunderbare Wärme und vor allem durch die fesselnde Klarheit und Gestaltung überzeugen. Leicht und mitreißend, quasi einer Aufbruchstimmung gleich, sang Gela Birckenstaedt (Sopran) z. B. die Arie „Ich folge dir gleichfalls mit freudigen Schritten“. Das Ensemble camerata coelestis war für den Chor sowie für die Solisten ein aufmerksam inspirierender Partner. Wie selbstverständlich atmete das Orchester mit. Sämtliche obligaten Beiträge gelangen exzellent und präzis.

Nachdem der letzte Ton des Chorals „Ach Herr, lass dein lieb’ Engelein“ verklungen war, minutenlange Stille:

Wir wurden mitgenommen auf dem Leidensweg Jesu.
Hans-Joachim Meyer-Pohrt, 19. März 2018