Musik zwischen Trauer, Klagen und Hoffnung.


Konzert zum Gedenken an die Toten des 1. Weltkrieges vor 100 Jahren in der Auferstehungskirche Essen am 16. März 2014

Es war ein gut durchdachtes, von Stefanie Westerteicher zusammengestelltes Programm und es schien, als hätten alle Werke, trotz ihrer Unterschiedlichkeit, einen Bezug zueinander. Alle Werke, ob geschrieben um die Zeit des Krieges oder auch bei der Erstaufführung des Requiems aus dem Jahr 2013 von Michael Porr, nahmen diese Bezug zum Thema Abschied: mit Trauer und Achtung, aber auch Dankbarkeit all denen zu gedenken, die ihr Leben riskierten oder opfern mussten, aber auch ganz zeitnah betroffen sind durch den Tod eines lieben Menschen. Und dennoch: tröstend und hoffnungsvoll in den Werken zu Beginn und am Ende des Konzertes: Mendelssohn Bartholdy: „..wer auf Gott hofft, den verlässt er nicht“ und Michael Porr: „..die Lieb ist freigegeben, ..und unser aller Sonne ist Gottes Angesicht“. Wir dürfen die Toten loslassen mit der Gewissheit, dass sie bei Gott sind und dort ihre Ruhe finden. (Thema im Requiem: „ins Paradies mögen die Engel dich geleiten“, in der erlösenden Tonart E-Dur). Die Werke waren also so gewählt, dass es wohl jeden Zuhörer ergriffen hat oder ergreifen musste, auch wenn sich viele von uns nicht mehr bewusst an die Zeit des 1. Weltkrieges erinnern können.

Die anspruchsvollen Chorwerke, Eckpunkte im Ablauf des Programms, wurden von der Kantorei unter der Leitung von Stefanie Westerteicher überzeugend wiedergegeben.
Da war klare Gliederung der fugenartigen Teile bei Mendelssohn Bartholdys Choralkantate „Wer nur den lieben Gott lässt walten“, saubere Unisono - Stellen, eng verflochtener ausdrucksstarker Choral, ausgewogen in den einzelnen Stimmen. „Eingebettet“ in die Choräle sang die Sopranistin Ulrike Hellermann überzeugend mit großer, angenehm warmer Stimme, ausgeglichen in allen Lagen. Mit innerer Überzeugung und Strahlkraft war auch ihre Wiedergabe des „PIE JESU“ von Lili Boulanger.
Der Höhepunkt des Abends war sicher die Aufführung des REQUIEMS von Michael Porr. Hier zeigt der Komponist, dass er die von ihm gewählten Texte klangschön, plastisch und eingehend in Musik setzen kann. Da verbirgt sich meines Erachtens überzeugend hörbar fester Glaube. Das Werk, das an keiner Stelle überladenden oder gar drohenden Charakter hat (Fegefeuer), hat an vielen Stellen etwas Schwebendes, ja manchmal freudig Tanzendes (SANCTUS) aber auch Ruhendes (PIE JESU) oder im HERBST (Text: Rainer Maria Rilke), professionell klangvoll und mit Wärme gesungen von der Altistin Elvira Bill. Ihr Solo „dona eis requiem“ im AGNUS DIE war atemberaubend. Dem Anfang und dem Ende des Werkes hat Porr einem einzigen Instrument überlassen, dem Cello Solo (Johannes Wohlmacher), sakral, geheimnisvoll.

Die Freude der Mitwirkenden an diesem Werk (hier ist besonders der Chor zu erwähnen) unter der Leitung von Stefanie Westerteicher machte eine überzeugende Wiedergabe möglich.
Den Mitgliedern der Essener Symphoniker ist es gelungen, einfühlsam die Chöre aber auch die zahlreichen Solisten des Abends zu begleiten, wie z. B. bei Bruchs KOL NIDRE das Solocello, ausdrucksstark mit großer Spannung gespielt von Johannes Wohlmacher oder bei der ARIA IN CLASSIC STYLE von Marcel Grandjany, melodisch wie ein Lied, mit unendlicher spannungsreicher Schlusssequenz, mit großem Bogen gespielt von der Harfenistin Konstanze Jarczyk. Ihr einfühlsames Spiel im Requiem muss an dieser Stelle erwähnt werden.

Nach würdevoller Stille lang anhaltender Applaus.


Hans-Joachim Meyer-Pohrt/2014/