Foto: Wolfgang Kleber

Sjaella - Klangerlebnis mit Herz und Seele



Absolute Stille herrschte in der ausverkauften Auferstehungskirche beim ersten Akkord der sechs Leipziger Sängerinnen: Spannung pur und lauschen auf den beeindruckenden Chorklang, einer A-capella-Formation mit großer Linie, Spannkraft und Homogenität. Im professionellem Zusammenspiel sind sie in der Lage, bewusst und zielsicher mit ihrer Stimme umzugehen und sie vielfältig und differenziert einzusetzen: vom Pianissimo zu einem Klangteppich, zum nie forcierten Forte- und immer wieder solistische Einsätzen, die die individuelle Klangfarbe jeder einzelnen Stimme aufzeigt. Das Instrument der Sängerin ist ihre eigene Stimme, die einzigartige Qualität vom Sjaella – Ensemble ist, dass daraus ein homogenes Stimmorchester entsteht, überwältigend in Intonation und stimmlicher Ausgewogenheit.
„Sjaella“ kommt aus dem Schwedischen und bedeutet „Seele“. Ohne zu übertreiben gestalteten die jungen Sängerinnen mit Seele und Emotion das vielseitige und anspruchsvolle Programm und erreichte uns Zuhörer dadurch ganz besonders. Mit der Überschrift „Welteinklang“ und den Themen Frieden, die Wundern der Natur und die Liebe hatte das Programm textlich einen roten Faden. Im ersten Teil Neuvertonungen geistlicher Texte, Gebete und Hymnen von Arvo Pärt, Ola Gjeilo, Gregor Meyer und weiteren Komponisten. Besonders beeindruckend das „Da pacem domine“ von Meyer: mit dem Ostinato „Vater vergib“ und zum Schluss der Bitte um Frieden (Luthers „Verleih und Frieden gnädiglich“.
Der zweite Teil (die Kirchenbestrahlung jetzt von rot zu blau!) stand ganz unter dem Thema „Volksweisen“ und führte uns in den Norden Europas. „Jedem Lied wird durch charakteristische Arrangements und stimmlicher Wandelbarkeit der Raum gegeben, Mysterien seines Kulturkreises zu enthüllen“ (Text aus dem Programm). Jedes der vielseitigen Stücke gab dem Ensemble die Möglichkeit, das eigene Temperament, Gestik und Mimik und seine künstlerisch-sängerischen Fähigkeiten (erneut) zu zeigen.
Unsere hörenden Fähigkeiten wurden gefragt bei dem „Jägermix“ von Michael Eimann: welche und wieviele Jägervolkslieder sind in dem Werk vereint?
Tosender Applaus für einen unvergesslichen Abend.

Hans-Joachim Meyer-Pohrt 01/ 2020