Foto: Wolfgang Kleber

Verleih uns Frieden gnädiglich

Konzert zum Gedenken 70 Jahre Ende des 2. Weltkrieges mit dem Kammerchor der Auferstehungskirche unter der Leitung von Stefanie Westerteicher in der Kreuzeskirche

Es ist sicher nicht leicht, für diesen Anlass ein Programm zusammenzustellen, dass dem Gedenken an Befreiung und gleichzeitig dem vorangegangenen unendlichen Leid gerecht werden kann und diesem eine „Stimme“ zu geben: das befreiende Ende eines Krieges – Trauer und Schmerz über den Krieg und die unmenschlichen Verbrechen. Stefanie Westerteicher ist dieses Vorhaben als großes Ganzes gelungen:

„schauet doch und sehet, ob irgend ein Schmerz sei wie mein Schmerz“
in der Motette O VOS OMNES von Gesualdo
„meine Seele ist betrübt bis in den Tod“
in der Motette TRISTIS ANIMA MEA von Gesualdo
„darum ist unser Herz betrübt… bringe uns Herr wieder zu dir …….Herr, siehe an mein Elend“
in der Motette WIE IST DIE STADT SO WÜST von Mauersberger
„verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsern Zeiten“
in der Motette VERLEIH UNS FRIEDEN GNÄDIGLICH

Der Kammerchor an der Auferstehungskirche hat sich erstmalig in dieser Besetzung zusammengefunden, bot gleichsam „hohe Schule“ des Chorgesangs und präsentierte sich mit einem homogenen Gesamtklang. Unter der einfühlsamen Leitung von Stefanie Westerteicher sang der Kammerchor mit außerordentlicher Klangschönheit, Präzision und musikalischer Sensibilität, ausgewogen in allen Stimmen. Sowohl in den Motetten, die oft in ihrer harmonischen Wendung von jedem Sänger Sicherheit in der Intonation abverlangten, als auch bei Distlers Totentanz mit seiner rhythmischen und harmonischen Binnenstruktur, wurde ein fast schwebender Chorklang erzielt.
Im Mittelpunkt des Abends stand sicher der Totentanz von Hugo Distler: Tanz als Ausdruck totaler Lebendigkeit gegenüber dem Tod als Person des Tänzers. Er hat das Werk 1934 geschaffen. Es besteht aus musikalischen wie rein sprachlichen Elementen. Die für vierstimmigen Chor komponierten Sinnsprüche (Autor Angelus Silesius) werden ergänzt von gesprochenen Dialogen zwischen Tod und repräsentativen Figuren der spätmittelalterlichen Ständegesellschaft. Hier zeigt sich die Befriedigung der Armen, dass auch „die da oben“ genauso betroffen sind. Macht und Reichtum nutzen am Ende nichts.
Die Sprechrollen wurden von Studenten der Folkwang Universität Essen textverständlich – optisch aus den Reihen des „Volkes“ heraus – interpretiert. Prof. Thomas Buts gab eine beeindruckende Darstellung des Todes.
Die eingeschobene Flötenmusik, gespielt von Jette Beyer, über das Volkslied „Es ist ein Schnitter, heißt der Tod“, weist auf die Bedeutung der Pfeife hin, die die Menschen zum Totentanz ruft. Sie durchzieht das Werk als roten Faden, quasi als Meditation zwischen den einzelnen Sprüchen.
Dr. Jörg Echtermann sprach über das Thema „War die Epoche zwischen 1914 und 1945 ein zweiter dreißigjähriger Krieg?“
Nach einigen Momenten der Ergriffenheit zeigten die Zuhörer ihre Dankbarkeit für das gelungene Konzert mit herzlichem Beifall.


Hans-Joachim Meyer-Pohrt/ 28.04.2015/